Changemanagement – Umgang mit Widerstand

21.02.2019

Changemanagement bedeutet mit Widerstand arbeiten zu können. Wie Sie Widerstand verstehen, akzeptieren und konstruktiv damit umgehen.

 

Changemanagement - Widerstand verstehen

Gleich mal vorausgeschickt – Veränderungen sind unser Geschäft. Damit verdienen wir unser Geld. Und ich habe nicht nur damit zu tun, weil ich mit Changemanagement und Widerstand im Change Geld verdiene, sondern weil ich Veränderung immer reizvoll fand.

Nach landläufiger Meinung gehöre ich damit zu einer Minderheit.

Aber zurück zum Thema. Gerade weil ich viel mit Veränderungen zu tun habe, denke ich viel darüber nach – und rede viel mit Menschen.

Changemanagement heißt auch Rückblick auf die Vergangenheit zulassen

Veränderungen sind etwas Diffiziles. Sie haben viele Aspekte – vereinfacht gesagt: die Chance auf neue Erfahrungen und Wehmut über die Entwertung der alten Erfahrungen.

Die alten Erfahrungen sind ja in der Regel nicht alt, nicht veraltet. Sie haben uns ja durchs Leben getragen und tun das auch noch im Hier und Jetzt. Das klingt vielleicht etwas pathetisch, ehrlich gesagt ist das aber ganz praktisch gemeint. All unser Handeln, das Tag-für-Tag-Handeln, die Routinen im Büro und zu Hause, beruhen ja auf den Erfahrungen, die wir so gemacht haben. Klar, Erfahrungen heißt auch mal irgendwo oder irgendwie in etwas Unerfreuliches hineingetappt zu sein. Also eine schlechte Erfahrung gemacht zu haben, aus der wir dann funktionsfähige und praktikable Schlussfolgerungen gezogen haben.

Was funktioniert, was nicht, wem können wir vertrauen und wann werden wir vorsichtig – und nicht zuletzt, was wird von mir erwartet und was nicht. So funktioniert unser Leben – und gerade wenn wir mit einem guten Gefühl herum laufen, dem Gefühl dass wir unser Leben im Griff haben, dann hat das viel damit zu tun, dass wir davon überzeugt sind, unser Handeln und unser Dasein auf die richtigen Schlussfolgerungen aufgebaut zu haben und über die richtigen Erfahrungen zu verfügen.

Übrigens ein verdammt gutes Gefühl! Wann war es das letzte Mal, dass Sie das gefühlt haben? Genießen Sie es! Es ist wertvoll!

Change erzeugt Widerstand, weil Erfahrungen entwertet werden

Jetzt kommt die Veränderung ins Spiel. Und was macht sie? Sie stellt dieses Bündel von Überzeugungen und Erfahrungen in Frage. Okay, man kann ja mal hinterfragen. Weit gravierender: Veränderungen entwerten unsere Erfahrungen. Es stimmt nicht mehr, dieses Gebirge an durchgearbeitetem Leben, das wir mit uns rumtragen, diese erarbeiteten und eben auch erlittenen Momente, die wir in Verhalten und Alltagskompetenz umgemünzt haben. Es ist nicht mehr so viel wert. Es kann sogar hinderlich werden und wenn wir großes Pech haben, lächerlich werden.

Zugegeben, das sind kurze Momente, die auch wieder vergehen. Was länger anhält und was uns ganz andere Anstrengungen abfordert, ist das Abschreiben von Teilen unseres Lebenswegs.

Unsere Lebensrezepte gehören plötzlich ins Museum oder in die Tonne. Wir müssten uns selber in Frage stellen – und das ohne, dass wir bereits etwas Neues in der Hand haben, etwas, was wir in unser Leben integriert haben und als erfahrungsbasierte Geschichte erzählen können. Es geht also nicht nur um leicht veränderte Rollen im Team, neue Prozesse und Aufgabenstellungen, ein paar neue Kompetenzen zu erlernen wie schon viele frühere Male – es geht eben um uns selbst, unserer stichtagsbezogenen Lebensbilanz und um die Entwertung des bisherigen Lebens.

Klar, das empfindet nicht jeder und jede so. Mancher sieht im Wandel die Chance das Unvollendete hinter sich zu lassen, andere wiederum haben die Erfahrung gemacht, dass sie im Erwerben neuer Erfahrungen einfach gut sind. Deren Lebensgefühl wird dadurch geradezu stimuliert. Die sehen Chancen überall und können die hoffentlich auch nutzen. Mit solchen Menschen lässt sich angenehm arbeiten, wenn es um Organisationsentwicklung und Change geht.

Changemanagement – Widerstand verstehen

Wie kann man mit den anderen in der Veränderung arbeiten? Da gibt es kein Patentrezept aber eine Haltung: liebevoll! Vielleicht auch zu pathetisch aber ebenfalls praktisch.

Liebevoll heißt zunächst mal zugewandt und respektvoll. Liebevoll heißt auch, diesen Menschen ihre eigene Vergangenheit als wertvoll erscheinen zu lassen und annehmen zu lassen. Als wertvoll und eben als Vergangenheit.

Wenn ich das erreicht habe, dann kann ich die Veränderung angehen. Leichten Herzens, mit angemessenem Selbstbewusstsein und mit einem sich vorsichtig herausbildenden Spaß am Neuen.

 


Das Modell der 4 Handlungsfelder für Change Management

Der Change-Prozess als Modell dargestellt

Jeder Change-Prozess hat seine Besonderheiten, je nach dem, worum es geht (z.B. Umstrukturierung, Neuausrichtung, Fusion, etc.), in welchem Umfeld (Branche, Organisationsgeschichte, etc.) und wie die Mannschaft – vor allem die Führung – zueinander und zu der anstehenden Veränderung steht. Basierend auf unsere praktische Erfahrung in der Beratung von Change-Management und den Prozessen in verschiedenen Konstellationen …  weiterlesen