Kreativität – wie geht das eigentlich?

18.08.2017

Ich kann klar von mir sagen: Ich bin kreativ.

… aber mal ganz ehrlich: Wer würde sich heut zu Tage nicht als kreativ bezeichnen? Das ist ja quasi das neue Chic im Bewerbungskontext. Gehört neben „flexibel“, gleich nach „teamfähig“ zu meinen drei Lieblings-Adjektiven. Und im Zuge der New Work Bewegung ist es quasi Grundlage jedes agilen, freien und modernen Arbeitsprozesses. Es ist hipp kreativ zu sein – so hört man das von jemanden, der jemanden kennt, der…

Und dann bin da ich. Beraterin, 35 Jahre, ein Teil der Gen Y (zugegeben die ältere Ausprägung), Mutter und beinahe mal Grafikdesignerin geworden. Ja, ich bin kreativ. Auf jeden Fall! Aber warum eigentlich? Weil mir innovative Konzepte einfallen? Weil ich Geschenke originell einpacken kann? Weil ich Menschen in gedanklichen Sackgassen mindestens 43 Lösungen anbieten kann?

Es gibt keine klare Formel für Kreativität. Aber sicherlich einige Dinge, die förderlich sind. Und hinter den daraus entwickelten Kreativitätstechniken oder Ideenfindungsprozessen stecken neuronale Forschungen, innere biochemische Prozesse, ausgeprägte Erfahrungen und psychologische Denkweisen. Methoden wie z.B. Design Thinking, 6 Thinking Hats oder die Kopfstand- und Reizbildtechnik helfen mir mich zu befreien, mich zu lösen, mir Anleitung zu geben, meinen Geist zu beflügeln und neue Gedankengassen zu erforschen.

Aber die wichtigste Lektion in Sachen Kreativität hat mich nicht irgendein Professor, sondern ausgerechnet mein kleiner Sohn gelehrt.

Kinder sprudeln, ihre Augen funkeln und manchmal starren sie in die Leere. Und dann plötzlich – ohne Vorwarnung – bekommst du Kreativität auf dein sinnbildliches Butterbrot geschmiert, da drehe ich mich aber mit meiner Walt-Disney-Methode ganz schön um.

Der Stock am Wegesrand wird ein Feuerwehrschlauch, die Wurzel das dazugehörige Löschfahrzeug und die drei Baum-Hochhäuser dort drüben brennen lichterloh. Und ich, ich muss gerettet werden – ist ja klar. Achtung, es regnet Funken. Und Luft anhalten wegen des Rauchs.

Erst wundere ich mich, dann mache ich verhalten mit (was sollen denn die Nachbarn sagen), und am Ende habe ich „Unternehmensberaterin“ mal wieder viel gelernt:

Kreativität hat was mit Perspektivwechsel zu tun, etwas mit freien Gedanken, fehlenden Strukturen und Normen – und mit einer Portion Spaß! Und daraus entstehen Geschichten und Ideen, die ich an meinem Rechner niemals konstruieren kann. Und deswegen bin ich dankbar. Dafür, dass es Momente gibt, die mir meine Kreativität im Alltag erhalten, die mich fordern und die mir genügend Stoff für meine Trainings und Seminare geben.

Vielleicht habe ich Ihnen Lust gemacht mal gedanklich auszubrechen, sich mit Ihrer eigenen Kreativität zu beschäftigen oder sich auch in Ihrer Arbeitswelt mal was zu trauen. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass genau diese kleinen Momente hin zu größeren Innovationen führen können – wenn Sie es denn wollen.

So oder so: Ich freue mich, wenn Arbeitsprozesse immer wieder ein bisschen Farbe bekommen und lade Sie hiermit herzlich dazu ein.

… ach ja, ich würde gerne noch weiter plaudern. Aber ich habe gerade einen Notruf erhalten, ich muss dringend Löschen– was denken Sie denn 🙂