New Work | Teil 1: Gar nicht so neu und trotzdem revolutionär

Blogreihe "NEW WORK"

20.12.2018

Was steckt eigentlich hinter diesem Begriff, der aktuell mit Agile Working und Digitalisierung um die Pole-Position im täglichen Buzzword-Battle ringt? Und wie können die Ideen von New Work konkret umgesetzt werden?

Zugegeben, mein erster Gedanke war: New Work, das bezieht sich primär auf die vielbemühte Generation Y. Menschen, die nicht mehr damit zufrieden sind fünf Tage die Woche ins Büro zu schlurfen, diese Zeit möglichst gut herumzukriegen, um dann am Wochenende endlich sie selbst sein zu können. Menschen, die vielmehr eine Tätigkeit suchen, die sie erfüllt und die ihnen sinnstiftend erscheint.

Aber ist dieser Wunsch nach einer sinnhaften und selbstverwirklichenden Tätigkeit wirklich so neu? Und ist dieser Wunsch tatsächlich nur bei Menschen verwurzelt, die nach 1980 geboren sind?

New Work – vom Urpsrung einer Kulturbewegung

Werfen wir einen Blick zurück: Der Begriff New Work entstand zu Beginn der dritten industriellen Revolution in den 1970er Jahren in den USA (ja so lange gibt es den Begriff schon!). Frithjof Bergmann und seine Kolleg*innen untersuchten, welche Möglichkeiten sich den Menschen in Automobilfabriken boten, die im Zuge der Automatisierung ihren Job verloren hatten. In Ihrem Institut für neue Arbeit unterstützten sie die Fabrikarbeiter darin, eine Antwort zu finden auf die Frage, was sie eigentlich in ihren Leben erreichen wollen. Die häufigste Antwort war „to make a difference“, also einen sinnstiftenden und bedeutsamen Beitrag zur Gesellschaft zu leisten.

Klassische Arbeitsstrukturen verschwinden zunehmend und schaffen Platz für neuere flexiblere Vorstellungen von Arbeit

Was macht den Begriff 50 Jahre nach den ersten Untersuchungen nun wieder so relevant und aktuell? Durch Künstliche Intelligenz und Automatisierung verändern sich die Arbeitsstrukturen von sehr vielen Menschen grundlegend. Von diesen radikalen Umwälzungen werden nicht nur ungelernte Fabrikarbeiter wie in den 70er und 80er Jahren betroffen sein, sondern auch Juristen, Ärzte und andere „Wissensberufe“. Die klassischen Arbeitsstrukturen verschwinden zunehmend und schaffen Platz für neuere flexiblere Vorstellungen von Arbeit. Hier fallen die Grundgedanken von New Work, wie Sinnhaftigkeit, Eigenverantwortung und Gemeinschaft, auf fruchtbaren Boden. Auch weil in unserer VUCA-Welt die alten Sicherheiten nicht mehr existieren, fühlen Menschen sich ermutigt, Ihre eigenen Vorstellungen umzusetzen. Um diesen neuen Rahmenbedingungen und den Bedürfnissen ihrer Mitarbeiter gerecht zu werden müssen sich auch Organisationen und Unternehmen verändern.

Die Ideen von New Work umzusetzen heißt für mich:

  • Herauszufinden was ich wirklich will und wie ich dies in meinem Leben umsetzen kann. Diese Frage zu beantworten gelingt den wenigsten Menschen für sich allein, hier braucht es Unterstützung und jemanden der die richtigen Fragen dazu stellt und den Reflexionsprozess gestaltet (Also gewissermaßen ein Coaching Prozess).
  • Dieser Prozess darf eigentlich nicht erst im Arbeitsleben beginnen; sondern sollte eigentlich schon in Kita, Schule und in der Erziehung von zentraler Bedeutung sein.
  • Arbeitswelten zu gestalten, in denen die Menschen eigenverantwortlich und mit einem hohen Grad an individueller Freiheit arbeiten können. Holacracy und andere selbstorganisierende Systeme bieten hier einen Ansatzpunkt. Jeder Mensch hat jedoch eine individuelle Vorstellung davon, wie er seinen Beitrag ausgestalten möchte, daher kann es hier keine Standardlösung geben.
  • Diversität und Vielfalt fördern. Crossfunktionales Arbeiten an gemeinsamen Projekten statt abteilungsspezifischem Fachexpertentum.
  • Austausch und Kooperation fördern. Wir Menschen sind soziale Wesen und der Austausch mit anderen ist eins unserer wichtigsten Bedürfnisse. Grade in einer digitalen Welt ist der menschliche Kontakt ein wichtiges Gut.
  • Menschen in ihrer Arbeit Entwicklungsperspektiven geben und Arbeit so gestalten, dass Menschen ihre ganze Persönlichkeit einbringen können und an den Inhalten wachsen und sich weiterentwickeln können.
  • Mit New Work verändern sich zudem das Verständnis von Führung und die Aufgaben von Führungskräften – dazu mehr in einem unserer nächsten Blog-Beiträge.

Viele der Ideen, die hinter dem Begriff New Work stehen sind gar nicht so neu. Trotzdem oder genau deshalb sind sie heute so wichtig. Der Wunsch nach einer sinngebenden und persönlich bedeutsamen Arbeit macht nicht vor Generationen oder dem Bildungshintergrund Halt. Letztendlich steht New Work für mich für einen optimistischen Blick in die Zukunft mit dem Schlachtruf: Lasst uns gemeinsam eine bessere Arbeitswelt gestalten!