New Work: Permanente Veränderung als Chance nutzen

10.01.2019

Sich Veränderungen zu stellen, ihnen mit Neugier immer wieder aufs Neue zu begegnen und sich auszuprobieren, ist keine Reaktion auf eine sich transformierende Welt, sondern (m)eine Haltung sich die Welt anzueignen

Ja, es ist manchmal echt anstrengend ständig offen und neugierig zu sein, sich immer wieder neuen Situationen und Herausforderungen zu stellen und sich nicht zurücklehnen zu können, um einem festen vorbestimmten Plan zu folgen. Ja, das kostet Kraft. Und doch: in mir weckt genau das immer wieder Energie und Motivation mutig voran zu gehen, die Welt zu erkunden und mein (Berufs-)Leben zu gestalten. Dabei ist das ganze keine strategische Herangehensweise oder eine Reaktion auf eine sich verändernde Welt. In meinen Augen ist es eine Haltung sich die Welt anzueignen.

Lösungen von heute sind schon morgen nicht mehr passend

In der Softwareprogrammierung nennt sich das „permant beta“. Eine Art kontinuierlicher Testmodus, in dem sich stets gefragt wird „Wie kann ich mein Produkt / die Nutzerfahrung / die Bedienbarkeit verbessern“ – auch, dann wenn es vielleicht sogar schon gut läuft. Es geht dabei nicht um blinden Aktionismus. Sondern viel mehr darum, sich die ständig verändernde Welt vor Augen zu führen und sich klar zu machen, dass die Lösung, die heute perfekt ist, morgen eventuell nicht mehr passend sein könnte. Daher gilt es die jeweilige Umgebung zu beobachten, Fragen zu stellen, Sachverhalte zu überprüfen und auf Basis dieser Erkenntnisse möglicherweise Anpassungen vorzunehmen.

Wir brauchen immer mehr Flexibilität und Eigenverantwortung

Dieser Ansatz lässt sich natürlich auch auf das Arbeitsleben übertragen:Die Arbeitswelt um uns herum verändert sich. Das war schon immer so, aber seit einigen Jahren haben viele Organisationen, wie auch Mitarbeitende das Gefühl abgehängt zu werden. Kürzere und schnellere Veränderungszyklen, angeheizt durch die fortschreitende Globalisierung, Technisierung und Digitalisierung sind Treiber dieser Entwicklung. Mir erscheint es verständlich, dass sich die jüngere Generation, die z.T. eine Welt ohne Digitalisierung gar nicht kennt, mit dieser Entwicklung etwas leichter tut, als ältere Generationen. Und doch steht auch die junge Generation vor Herausforderungen: vermehrt befristete Verträge oder Zeitarbeit, eine hohe geforderte Flexibilität, bei wenig Mitspracherecht, den richtigen, erfolgreichen Weg zu gehen bei all den (vermeintlichen) Möglichkeiten.

Warum alles schwarz sehen?

Man könnte nun den Kopf einziehen und widerwillig auf die Veränderungen reagieren. Oder aber – und das gilt für jede Altersgruppe – man sieht hier eine Chance: Wenn so viel im Umbruch ist, gestalte ich meinen Handlungsspielraum eben (immer wieder) selbst! Warum nicht wie ein Kind auf Entdeckungsreise beharrlich ein Ziel verfolgen und sich auch durch einen Misserfolg nicht abbringen lassen – auch wenn es anstrengend ist, sich aktiv Herausforderungen zu stellen. Die dadurch gewonnene Selbstwirksamkeit entfaltet sich als Motor für eine zuversichtliche, positive Ausrichtung seiner selbst und der Umwelt gegenüber. Und selbst, wenn nicht alles gelingt. Auch aus Rückschlägen und Fehltritten lassen sich Motivation und Kraft schöpfen nicht aufzugeben, sondern z.B. eine neue Strategie auszuprobieren.

Wie das konkret aussehen könnte? Wenn in meiner Abteilung neue digitale Tools eingeführt werden, nicht direkt alles zu verteufeln, sondern mir anzuschauen oder erklären zu lassen, was die Vorteile davon sind. Die Neuerung dann tatsächlich auch anwenden, selbst wenn noch immer Misstrauen dem Neuen gegenüber da ist. Wenn mir eine Aufgabe übertragen wird, die ich am liebsten direkt wieder abgeben würde, auch mal zu überlegen welcher Aspekt dieser Aufgabe für mich und meine Entwicklung dennoch von Interesse sein könnte. Mich so selbst motivieren die Aufgabe gut zu erledigen und möglicherweise neue Themenfelder/Methoden/Tools kennenzulernen. Nach einem misslungenen Projekt die Probleme und Fehler nicht zu vertuschen, sondern proaktiv mit Kollegen vertraulich zu sprechen, was man hätte anders machen können. Sich in den aufgedeckten Feldern weiterbilden und zukünftig andere Fehler machen. Aus der eigenen Wohlfühlecke heraustreten und sich umschauen, welche Möglichkeiten „da draußen“ auf einen warten. Und auch mal entscheiden, dass eine Methode/Tool/Themenfeld nichts für einen ist, nachdem man etwas ausprobiert hat.

Veränderung ist die Chance, immer wieder Neues kennenzulernen

Die große Kunst ist es, sich nicht zu verrennen oder den neuesten Trends hinterher zu laufen. Hier kann ein guter Draht zum eigenen Bauchgefühl dienlich sein. Darüber hinaus sollte immer auch genau geprüft werden, ob eine Aktivität Sinn ergibt und Mehrwert stiftet. Sich diese Fragen am Anfang eines Prozesses zu stellen und im weiteren Verlauf als Überprüfung zu nutzen, kann helfen Energien richtig einzusetzen und Enttäuschungen zu verhindern.

Offen und neugierig durch die Welt zu gehen und bereit zu sein, sich Wissen und Fertigkeiten anzueignen, sind Bausteine einer inneren Haltung der Welt zu begegnen. Das ist, was ich unter „permanent beta“ verstehe. Motivator und Antrieb Neues kennenzulernen und meinen eigenen Horizont zu erweitern.