Ohnmacht in Krankenhäusern – Die Zukunft unseres Gesundheitssystems

28.06.2017

Als Beraterin bin ich viel in Krankenhäuser und Gesundheitszentren unterwegs. Die Abläufe – samt ihren Schwierigkeiten – sind mir wohl vertraut. Auch die Kultur der Zusammenarbeit der verschiedenen Berufsgruppen ist nichts Neues. In vielen Workshops, Beratungsgesprächen, Coachings und Trainings habe ich „Krankenhaus-Luft“ geschnuppert.

Als Privatperson hatte ich glücklicherweise nie viel mit Krankenhäusern zu tun – bis vor kurzem. Als Angehörige kann ich aktuell noch ganz andere Erfahrungen sammeln. Sowohl positive als auch schwierige.

Vor allem eine Erfahrung macht mich sehr nachdenklich: Das Gefühl „störend“ zu sein, beschäftigt mich sehr.

Ich störe, wenn ich nach 3 Stunden Wartezeit, die Suche nach Ansprechpartnern beginne, um zu erfahren, wann es weitergeht.

Ich störe, wenn ich eine/n Ärztin/Arzt sprechen will.

Ich störe, wenn ich nach Verpflegung für den Patienten frage.

Ich störe…

Dabei weiß ich, dass die Beschäftigten dies überhaupt nicht persönlich meinen. Sie sind so stark in den alltäglichen „Wahnsinn“ eingebunden, dass jede Abweichung oder eine Extra-Bitte eigentlich nur stören kann!

Mich stört das! Und ich frage mich ernsthaft, wie wir die Zukunft unseres Gesundheitssystems und unsere hohen Anforderungen daran gestalten wollen. Mit der jetzt vorherrschenden Ohnmacht auf beiden Seiten ist es nicht möglich, da müssen wir uns etwas Anderes überlegen.

Aus unserer Erfahrung sind Gespräche und Workshops ein guter und hilfreicher erster Schritt. Der Austausch über die persönlichen Erfahrungen wird bei den Mitarbeitenden als sehr erleichternd und positiv bewertet. Allein, sich den Raum dafür zu nehmen und im Austausch eine Art Gemeinschaftsgefühl zu entwickeln, um mit gemeinsamen oder individuellen Vorhaben zurück in den Alltag zu gehen, bringt Energie und Motivation für alle Beteiligten. Die Teilnehmenden investieren gerne – teilweise auch nach ihren Diensten – Zeit für den Austausch, weil sie einen großen Effekt spüren, sowohl für sich persönlich als auch in der „Gemeinschaft“.

Und diese Motivation brauchen wir alle – vor allem aber Menschen, die in Krankenhäusern arbeiten!

Sobald der Druck des „Müssens“ für einen Moment nachlässt, und ein „Ich kann mir jetzt Zeit für meine Gedanken und Gefühle im Austausch mit anderen nehmen“ einsetzt, ist die Begegnung mit dem nächsten Angehörigen oder Patienten, der „stört“, eine ganz andere.

Genau solche Austauschrunden begleite ich bei einigen Teams in Form von Supervision. Dabei ist jeder Termin anders, sowohl hinsichtlich der Themen als auch in Bezug auf den Austauschbedarf. Und natürlich sind die Zeiten dem eng getakteten Krankenhausalltag angepasst. Laut den Rückmeldungen der Teilnehmenden sind diese Zeitfenster im Alltag ein wichtiges Element für die Motivation, um langfristig in diesem Feld arbeiten zu können.

Beim nächsten Termin werde ich meine Erfahrungen als Privatperson einbringen…