Workshop gegen rechte Hetze in Unternehmen

Warum es für Unternehmen wichtig ist, Bewusstsein für Parolen und Diskriminierung zu schaffen.

Workshop gegen Rechts

Ende Februar hat bei CONTRACT in Karlsruhe ein Workshop mit Stefanie Beck, M.Sc. Psychologie, von der Landeszentrale für politische Bildung in Baden-Württemberg stattgefunden. Im Interview erklärt sie, wo Extremismus anfängt, wie man mit rassistischen und sexistischen Äußerungen umgeht und warum es wichtig für Unternehmen ist, sich mit diesen Themen auseinanderzusetzen.

  1. Hallo Stefanie. In welchem Projekt bist du aktuell für die Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg tätig?

Ich leite momentan das Projekt „Läuft bei Dir! Werte. Wissen. Weiterkommen.“. In dem Projekt stehen kreative, spielerische Formen der Demokratiebildung im Fokus. Die Angebote richten sich an Lerngruppen, die bezüglich Alter, Sprachkenntnissen und Lebenssituation sehr heterogen sind, zum Beispiel Berufsschulklassen. Entstanden ist unter anderem der medienpädagogische Escape Room „Hacker Attack“, in dem sich junge Erwachsene spielerisch Wissen über Kommerzialisierung im Netz, Fake News und das Interesse an persönlichen Daten aneignen.

  1. Die Auseinandersetzung mit Extremismus und Demokratie begleiten dich in der politischen Bildung. Welche Beziehung haben beide Begriffe zueinander?

Extremismus nennt man Aktivitäten, die darauf abzielen, eine Demokratie zu schwächen und letztlich abzuschaffen. Im herkömmlichen Gebrauch impliziert das Aktivitäten von den rechten oder linken Rändern der Gesellschaft her. Die Formulierung „Extremismus jeder Couleur sei zu verurteilen“, wird zum Beispiel häufig genutzt. Dieses Vorgehen – alles als Extremismus zu kennzeichnen, was zu weit links oder rechts der Mitte ist – halte ich für unbefriedigend. Damit ersticke ich Utopiedenken und die Hoffnung, dass die Welt auch ganz anders gestaltet werden könnte. „Bleibt halt normal“ ist die pädagogische Botschaft, die dann übrig bleibt. Besser finde ich es, Extremismus inhaltlich zu definieren. Im Kern kennzeichnen Extremismus dann zum Beispiel, laut dem Wissenschaftler Kurt Möller, Vorstellungen von Ungleichwertigkeit von Menschen und die Akzeptanz von Gewalt. Demokratie könnte man dann als das Gegenteil skizzieren: Vorstellungen der Gleichwertigkeit von Menschen und die Anerkennung demokratischer Prozesse zur Entscheidungsfindung.

  1. Was hat das Ganze mit uns als Unternehmensberatung zu tun? Was war Thema und Inhalt des Workshops gegen Rechts hier bei CONTRACT?

In dem Workshop „Sprach(e)los bei Parolen!“ ging es um rechte Parolen, Diskriminierung und Reaktionsmöglichkeiten im Beruf und im Alltag. Dazu haben wir diskutiert, was überhaupt Diskriminierung ist und wer das entscheidet. Die Frage: „Wo kommst du denn wirklich her?“, kann das diskriminierend sein?
Die meisten Menschen fühlen sich zunächst einmal unsicher und hilflos, wenn sie offene oder verdeckte Diskriminierung beobachten. Es hilft sehr, sich vor der Reaktion ein paar Fragen selbst zu beantworten: Für wen mache ich das hier? Mit welchem Ausgang gebe ich mich zufrieden? Wem möchte ich meine Aufmerksamkeit geben? Persönlich wichtig ist mir dabei, die Betroffenen von Diskriminierung nicht zu übergehen. Häufig verfallen wir in eine Täterfokussierung. Wichtiger und wirkungsvoller wäre es aber, Solidarität mit Betroffenen zu zeigen. Dies kann man zum Beispiel auch ohne Sprache erreichen, indem man sich aktiv neben Betroffenen positioniert, um die Diskriminierungssituation zu stören.

  1. Warum ist es wichtig für Unternehmen, ein Bewusstsein für Diskriminierung zu schaffen und mit professioneller Unterstützung Raum für die Auseinandersetzung mit diesem Thema zu schaffen?

Ich denke, es ist für jedes Unternehmen wichtig, sich mit Diskriminierung – ob rassistischer, sexistischer oder anderer Natur – zu beschäftigen, genauso wie für jede Schule und jede Kindertagesstätte. Überall dort, wo Menschen Verantwortung für andere Menschen übernehmen. Führung beinhaltet in meinem Verständnis die Zuständigkeit für ein sicheres, gleichberechtigtes und diskriminierungsfreies Miteinander. Die meisten Führungskräfte wollen so ein Arbeitsklima schaffen. Manchmal wissen sie aber nicht so richtig, wie es geht. Die Beschäftigung mit Diskriminierung und ihren Folgen schärft die eigene Wahrnehmung. Auch der Austausch mit anderen und die Abwägung unterschiedlicher Handlungsalternativen können sehr hilfreich sein.

  1. Wie können sich Beraterinnen und Berater dieses Bewusstsein zunutze machen?

Einen wichtigen Punkt haben wir im Workshop erlebt: Keine Angst vor schwierigen Themen! Die Arbeitswelt braucht Beraterinnen und Berater, die Raum schaffen, über Diskriminierung zu sprechen: Unaufgeregt, mit Empathie und Respekt gegenüber den Betroffenen.

Das Interview führte Maike Hohmann, die uns drei Monate als Praktikantin bei CONTRACT unterstützt hat.