Achtsamkeit- wie ich gelernt habe, meinen Alltag bewusster zu gestalten

VOR EINEM JAHR

Ich wache auf und denke als erstes an meine To Do’s für den Tag, gehe das erste Telefonat oder Gespräch, welches ich haben werde im Kopf durch, denke an was alles passieren könnte…. Auf dem Weg zur Arbeit staut es sich, ich rege mich auf und schimpfe. Am Fahrstuhl dränge ich mich noch rein um 1 Minute schneller am Arbeitsplatz zu sein. Ich setze mich hin und bin schon gestresst bevor der Tag richtig losgeht. Die To do Liste aus meinem Kopf funktioniert schon nicht mehr, weil neue Mails gekommen sind…

HEUTE

Ich wache auf und spüre erstmal in meinen Körper hinein: wie fühlen sich meine Beine an? Wie mein Nacken? Was passiert im Körper, sagt mir das was? Im Nacken zwickt es, ich mache eine kleine Rückenübung. Auf dem Weg zur Arbeit schaue ich mir meine Umgebung bewusst an. Die Leute in der Bahn, die vorbeiziehenden Geschäfte und Haltestellen. Am Fahrstuhl lasse ich jemanden vor und nehme den nächsten, der ist leerer und nebenbei war ich auch freundlich zu jemandem. Ich komme an, setze mich hin und fange erst dann an, eine Prioritätenliste für den Tag zu machen.

Wie ich gelernt habe, achtsamer zu sein

Seit ich vor einem Jahr einen Achtsamkeitskurs gemacht habe, hat sich mein Leben nicht grundlegend verändert. Aber ich versuche seither mehr im Jetzt zu leben. Momente bewusster wahrzunehmen, wieder besser auf meinen Körper und Geist zu hören, einen größeren Fokus auf das Hier und Jetzt zu legen. Ich meditiere nicht jeden Tag, und ich bin bei Weitem nicht andauernd achtsam – aber öfter. Ich habe geschafft, mehr Routinen, die mir guttun einzubauen; Sport, Körperübungen, Meditation, Lesen. Im Wald spazieren zu gehen bekommt mir besonders gut, das belegen auch Studien.

Achtsame Routinen bei der Arbeit entwickeln

Auch auf der Arbeit habe ich mir bestimmte Routinen angewöhnt, um achtsamer zu sein:

  • Ich achte auf meine Körperhaltung, z.B. Sitzhaltung und gucke wie ich die Gestaltung meines Arbeitsplatzes weiter beeinflussen kann. Ab und zu nehme ich ein Sitzkissen oder verändere die Stuhleinstellung. Kollegen von mir sitzen gerne auf speziellen Hockern oder arbeiten auch mal im Stehen.

  • Wenn mich etwas stresst versuche ich zu erkennen, was es genau ist. Was löst den Stress aus? Wie reagiere ich darauf? Und, wie bewerte ich diesen anschließend? Ist der Auslöser überhaupt relevant? Ist meine Reaktion darauf angemessen? Bewerte ich die Gesamtsituation überhaupt richtig? Somit mache ich einen Realitätscheck, da wir Stress immer sehr subjektiv beurteilen:

AUSLÖSER >> REAKTION >> BEWERTUNG = REALITÄTSCHECK

Die „Stressoren“ werden mir bewusster und ich kann meine Reaktionen darauf besser beeinflussen

  • Was kann ich beeinflussen und was nicht? Ich versuche eine bessere Klarheit über meine Einflussbereiche zu bekommen. Zum Beispiel erstelle ich eine Liste der Dinge, welche mich stressen und dann unterteile ich, was ich davon beeinflussen kann und was nicht. Meinen Fokus setze ich auf die Dinge, wo ich die höchste Möglichkeit zur Einflussnahme habe. Die anderen versuche ich zu akzeptieren oder zu ignorieren.

Stress reduzieren heißt täglich bewusst
damit umzugehen

Warum ich das alles mache? Weil ich gemerkt habe, dass in meinem Kopf nur noch permanent eine To do Liste ablief und das stresste mich. Ich habe immer noch eine To do Liste, aber eine schriftliche und mit Priorisierungen. Sobald ich es aufgeschrieben habe kann ich wieder den Fokus auf meine momentane Aufgabe legen.

Für mich ist es wichtig geworden, jeden Tag eine Kleinigkeit zu tun, die meine Gedanken vollkommen auf mich und mein Befinden steuert und vor allem weg von der Arbeit, weg vom „Ich muss noch…“! In der Regel schieben wir das auf die Wochenenden, die Abende oder den Urlaub.

Wir brauchen täglich eine Dosis Achtsamkeit

Doch so bauen wir unser Stresslevel teilweise über Jahre auf, denn mit fünf Wochen Urlaub und Wochenenden, an denen wir ja auch noch ganz viel Privates machen (erledigen) wollen (müssen), können wir Alltagsstress meist nicht ausgleichen. Vielmehr brauchen wir tagtäglich neben den Pflichten eine Dosis Bewusstes, Anderes und Wichtiges für uns. Je mehr Routine wir darin entwickeln, unser Bewusstsein auf das zu lenken, was für uns, Körper und Seele wichtig ist, desto besser können wir auch aktiv die Priorisierung dessen gestalten. 

Achtsamkeit im Alltag – mögliche Maßnahmen:

  • Mein Körpergefühl verbessern, herausfinden was mein Körper braucht, um gesund zu sein. Dementsprechend Routinen in den Alltag einbauen, z.B. Sport, Meditation, gesunde Ernährung, Hobbies einplanen.

  • Aktivitäten bewusst erleben, z.B. achtsam Essen, kein Smartphone oder Fernsehen nebenbei laufen lassen! Was esse ich da eigentlich? Den Geschmack bewusst wahrnehmen.

  • Tagebuch führen, wichtige Gedanken, Ideen und Erlebnisse vom Tag festhalten. Positive Erlebnisse festhalten.

  • Mit welcher Haltung gehe ich in Gespräche und Situationen? Z.B. Benutze ich positive Formulierungen oder negative Formulierungen? Glaube ich an das gute im anderen oder unterstelle ich direkt böse Absichten?

Ein Modell aus der Transaktionsanalyse, die „Psychological Hungers“, unsere inneren psychologischen Grundbedürfnisse, ist übrigens ein spannendes Modell für Achtsamkeit. Damit gewinne ich mehr Klarheit darüber, wonach ich Hunger habe, also was mich motiviert und mir guttut, im Job und im Privaten. Wir haben individuell, jeder für sich, unterschiedliche Bedürfnisse. Manche brauchen mehr Anerkennung, also Gesellschaft anstelle von der Couch oder ein nettes Gespräch mit Kollegen. Manche brauchen Stimulus, also Sport, herausfordernde Hobbies und spannende Projekte, die sie fordern. Wieder andere brauchen Struktur, ergo einen geplanten und geregelten Ablauf mit positiven Dingen. Wenn ich weiß, was mir guttut, kann ich besser für mich sorgen.

Finden Sie heraus wonach Sie „Hunger“ haben und bauen Sie es öfter in den Alltag ein. Wie? Einfach wieder mehr in sich hinein hören!