New Work und Burn-out – Lösung oder Auslöser?

In unserer letzten Blog-Reihe haben wir uns intensiv mit dem Thema New Work auseinandergesetzt. Nach einer kleinen Sommerpause wollen wir uns nun einem neuen Thema zuwenden: Mindfulness und Stressprävention. Starten wollen wir dabei mit einem Brückenschlag: Was hat new Work mit Burn-out zu tun? Viel Spaß beim Lesen und Teilen unserer Blogartikel!

Es ist sicherlich kein Zufall, dass New Work ausgerechnet in den letzten Jahren an Bedeutung gewonnen hat. Die Generationen Y und Z haben angekündigt anders leben und arbeiten zu wollen als ihre Elterngeneration. Unter anderem sollen weniger Druck, geringere materielle Orientierung, dafür mehr Selbstverwirklichung und Sinnbefriedigung bei gleichzeitigem Erhalt vieler Entscheidungsmöglichkeiten die Arbeitswelt dominieren.

Burn-out als Folge von Multioptionalität

Unternehmen fordern Unternehmergeist von ihren Mitarbeitenden und Entscheidungs- und Gestaltungsbefugnisse nehmen im Zuge der neuen Arbeitsformen zu. MitarbeiterInnen haben dadurch mehr Wahlmöglichkeiten und es gibt das Potential zur Abstimmung verschiedener Lebensinteressen und Entwicklungsmöglichkeiten. Allerdings nehmen in diesem Zuge Themen wie das Gefühl von Nichtkontrollierbarkeit, Daueraufmerksamkeit, Unsicherheit, Angst und Stress an Bedeutung zu. In der Folge kommt es vermehrt zu psychischen Erkrankungen wie bspw. Burn-out. Arbeit kann also krank machen.

Hillert & Marwitz bringen es 2006 auf folgende Formel:

CONTRACT_Burnout Formel

Burn-out hat private und berufliche Wurzeln

Ursachen für Burn-out liegen sowohl in persönlichen sowie Arbeits- und lebensweltlichen Faktoren und gewinnt, mit den gesundheitlichen Folgen, in unserer Leistungsgesellschaft immer mehr an Bedeutung. Erstmals hat die WHO nun auch Burn-out als Krankheit anerkannt. Das Gefühl Schritt halten zu müssen, getrieben zu sein und immer wieder ans Limit des Machbaren zu gehen ist für viele Menschen schon Alltag. Burn-out wird dabei manchmal schon zum geflügelten Begriff eines „Lebensgefühls“: der subjektiv empfundene Stress wird zunehmend als nicht zu bewältigende Belastung wahrgenommen. Insofern wird Burn-out von Stress ausgelöst.

Die Symptome eines Burn-out-Verlaufs sind dabei weitgehend deckungsgleich mit den Phasen einer Stressreaktion. Insofern macht es Sinn genau hinzusehen und zu differenzieren, um was es nun eigentlich geht. Häufig sind es die, die mit viel Hingabe Verantwortung übernehmen, sich ihrer Aufgabe verpflichtet fühlen und die Grenzen zwischen Freizeit und Beruf nicht mehr klar ziehen können, die sich mit Symptomen konfrontiert sehen. Müde, ausgelaugt, überreizt, erschöpft, unausgeglichen sein, sind nur einige der Symptome, die auftreten können, wenn wir das Gefühl haben nicht mehr in unserem Gleichgewicht zu sein.

Burn-out Prävention durch New Work?

New Work scheint da geradezu ein Heilsversprechen zu sein. Arbeit soll so organisiert werden, dass sie zum Leben passt und nicht umgekehrt. Ich arbeite dann und dort, wann und wo ich will. Das Büro wird zum Tool und stattdessen schaffe ich mir neue Freiräume für Kreativität und Entfaltung. Motivation zur Arbeit kommt daher, dass wir überzeugt sind, uns durch die Arbeit selbst zu verwirklichen und dazu noch zum gegenseitigen Wohl beizutragen.

Oder doch eher: New Work als Burn-out Verursacher?

Aber: Spricht New Work nicht gerade, „die mit Hingabe“ „die mit Verantwortung“, „die sich verpflichtet fühlen“ besonders an?

Eine hohe Arbeitsbelastung an sich macht noch keinen Burn-out. Vielmehr sind es organisationale Faktoren wie Führungsverhalten, Kommunikation, Arbeitsklima, Arbeitsorganisation, Rollenkonflikte und Rollenambiguität, mangelndes Fairnessempfinden, intransparente Entscheidungen, die zu einem hohen Stresslevel beitragen. Was können wir also in der New Work da anders bzw. besser machen?

Besser: New Work als Einladung Arbeit miteinander zu gestalten!

Für Organisationen wird es umso wichtiger, dass Mitarbeitende miteinander in die Lage gebracht werden, ihr Arbeitsleben so zu gestalten, dass die oben beschriebenen Eckpunkte wie Freiräume und Selbstbestimmung nicht in übersteigertem Anspruch münden und somit die Gesundheit der Mitarbeitenden gefährden.

Einige wichtige Punkte, auf die die Menschen in Organisationen achten können:

  • Verlässliche Strukturen,
  • flache Hierarchien,
  • ein miteinander entwickelter und gelebter Teamvertrag,
  • ein klarer und geteilter Purpose,
  • ausgeprägte Beziehungsqualitäten im Team,
  • eine offene Feedbackkultur und klare Handlungsspielräume

Dazu gehören genauso fördernde Maßnahmen im Sinne eines betrieblichen Gesundheitsmanagements, wie Information und Aufklärung, Weiterbildungen und Qualifizierungen, Beratungsangebote und Möglichkeiten zur Krisenintervention.

Es hilft auch soziale Unterstützung von Kollegen zu bekommen, Leistungen und Gegenleistungen (wie Entwicklungsmöglichkeiten, Arbeitsplatzsicherheit, Gehalt) ausgewogen zu gestalten und schon bei der Auswahl von Teammitgliedern auf eine Passung von Job, Person und Umfeld zu achten.

New Work ist solange ein graues Konzept bis wir es gestalten. Wir haben es in der Hand, wie wir arbeiten wollen, implizit durch die gelebte Kultur, genauso aber auch aktiv im Miteinander.